Verband Deutscher Highland-Cattle
Züchter und Halter e.V.

SNP Typisierung

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Da das Thema SNP-Typisierung aktuell für vermehrte Nachfragen sorgt, möchten wir heute das Thema noch einmal aufnehmen und Ihnen eine kurze zusammenfassende Darstellung an die Hand geben.

Was heißt SNP?

Die Abkürzung steht für den Begriff Single Nucleotide Polymorhdism. Als SNP, werden in der Genetik verschiedene Variationen einzelner Basenpaare (single nucleotids) an einer bestimmten Stelle des Genoms bezeichnet. Aus dem genetischen Code der Erbanlage können Informationen entnommen werden. Die wichtigsten Punkte hierbei sind die genetischen Marker. Als Marker bezeichnet man erkennbare Markierungen im Genom, die Einfluss auf Leistungsmerkmale haben. Diese Marker sind nur einen genetischen Buchstaben lang und es gibt nur zwei unterschiedliche Varianten in der ganzen Population. Jeder Marker kann in drei verschiedenen Varianten vorliegen: reinerbig AA, reinerbig BB oder mischerbig AB. Wenn das Tier von der Mutter und dem Vater unterschiedliche Varianten bekommen hat, wird dies mit mischerbig AB gekennzeichnet. Bei Rindern sind 100.000 SNPs bekannt, von denen 54.000 näher untersucht werden. (Quelle: AGRAR heute)

Was hat das mit uns zu tun?

Bei der Abstammungsüberprüfung unserer Rinder wird die SNP-Typisierung die DNA-Karte ablösen. Dies geschieht, weil das neue Verfahren sehr zuverlässig ist und bereits international Anwendung findet. Zudem bekommen wir somit die Möglichkeit, neben der Abstammung zusätzlich weitere genetische Eigenschaften zu untersuchen. Momentan wird in ganz Deutschland noch die Kombinationsuntersuchung beider Verfahren durchgeführt, zukünftig wird aber die DNA Karte (Mikrosateliten) wegfallen.

Welche Vorteile entstehen durch die neue Untersuchungsform?

Durch die SNP-Typisierung ist der Weg offen, die Abstammungsüberprüfung mit einer Erbfehleruntersuchung zu koppeln. Das ist für viele Rassen enorm wichtig. Denken wir z.B. an die gewünschten Status der Hornlosigkeit. Diese wird nun automatisch bei jeder Untersuchung angezeigt. Bei unseren Hochlandrindern steht hier das p für „positiv“ als Ergebnis für beide Elterntiere. Ist das Tier kein Träger, dann steht dort ein F für „frei“, somit könnte eine Reinrassigkeit an dieser Stelle ausgeschlossen werden können. Als wesentlich wichtiger ist die Untersuchung bestimmter vererbbarer Krankheiten einzustufen. Nun kann ganz bewusst vermieden werden, Tiere mit bekannten Erbfehlern weiter einzusetzen.

Die Untersuchung erfolgt z.B. anhand von Blut oder Haaren, dies ist mit dem zugehörigen Herdbuch abzusprechen, welches auch die Anträge für die Untersuchung vorgibt. Das Ergebnis der Untersuchung wird dem Züchter mitgeteilt.

Was wird momentan untersucht:

1. Hornstatus        dieser müsste bei unseren Rinder immer p/p   anzeigen.

Bei nachfolgenden Ergebnissen ist ein F/F für FREI anzustreben:

2. Ataxie (tödlich verlaufender Erbfehler (Letalmutante) infolge von irreversiblen Veränderungen in Gehirn und Rückenmark)

3. Bulldog (Das “Bulldog-Kalb” ist ein lebensunfähiges, meistens im 5.-8. Trächtigkeitsmonat ausgestoßenes Kalb mit verformtem Kopf, verwachsenen, stummelförmigen Gliedmaßen und häufig offenem Bauch.)

4. DEB (genetisch vererbte Hauterkrankung)

5. drei Mutationen des Doppellendergens (ungewöhnliche Zunahme des Volumens der Muskelfasern , Komplikationen bei der Geburt., Reduktion des intramuskulären Fettes)

Weitere Erbfehlervalidierungen werden zurzeit vorgenommen (z.B. Blutgerinnungsstörungen).

Bei den  Untersuchungspunkte 2. bis 5. war für unsere Rasse überall ein F/F für „frei“ zu erwarten. Doch inzwischen wurde bei 12 Tieren von 439 untersuchten Hochlandrindern, also 2,8 %  eine Mutation des Doppellender-Gens entdeckt.

Momentan haben wir KEINE Kenntnis, ob sich das Vorhandensein dieser Genmutation überhaupt negativ auf unsere Rasse auswirkt. Hier gibt es bisher keine Untersuchungen. Daher ist es notwendig, dass wir alle gemeinsam die Verantwortung übernehmen und beobachten, ob das Vorhandensein des Gens für uns als Problem eingestuft wird.

Andere Rassen, z.B. Angus haben in ihr Zuchtprogramm aufgenommen, dass männliche Genträger nicht gekört, also von der Zucht ausgeschlossen werden.

Einen solchen Antrag für unsere Rasse sehen wir als zu verfrüht an. Eine sensible und korrekte Beobachtung halten wir allerdings für unumgänglich, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.

Welches Ziel verfolgen wir?

Unser gemeinsames Ziel ist zu Verhindern, dass unsere Rasse ihre Vorzüge und rassetypischen Eigenschaften verliert.

Daher empfehlen wir jedem Züchter, kluge Entscheidungen im Sinne unserer Rasse zu treffen:

  • Bitten Sie die für Sie zuständigen Herdbücher darum, dass Sie das detaillierte Genomdatenblatt mit dem Untersuchungsergebnis bekommen, nicht nur das Pedigree mit Angabe des Erbfehlers. Sollten Sie Positivbescheide erhalten, dann macht es sich notwendig, über eine Weiterzucht mit dem Tier nachzudenken.
  • Wir empfehlen, Genträger- Bullen aus der Zucht herauszunehmen, um den Gen-Zufluss in weibliche Tiere zu vermeiden, um somit die Weitervererbung einzudämmen. Eine Anpaarung mit einem Gen-tragenden weiblichen Rind ist unbedingt zu vermeiden!
  • Lassen Sie sich beim Kauf eines neuen Zuchtbullen IMMER das Genomdatenblatt im Voraus zeigen. Liegt dies noch nicht vor, warten Sie das Untersuchungsergebnis ab. An dieser Stelle ist das Sparen von Kosten (z.Z. ca 40 €/Tier) unangebracht.

Wir, der Vorstand des VDHC, wären sehr dankbar, über das Übermitteln von Informationen.  

Bitte denken Sie daran, es handelt sich NICHT um kranke Tiere!! Wir wissen NICHT, ob es für uns ein Problem darstellt!  Wir möchten präventiv arbeiten und brauchen einen sachlichen, emotionsfreien Umgang mit diesen Tatsachen.

Bitte helfen Sie uns, indem Sie uns Informationen zukommen lassen. Auf diesem Weg hoffen wir, in kürzester Zeit Aussagen treffen zu können, ob das Vorhandensein des Genoms für unsere Rasse von Bedeutung ist.

Bitte wendet euch vertrauensvoll an den benannten Ansprechpartner Pascal Specht, er wird die Daten sammeln und eine datenschutzkonforme Auswertung erstellen.

Kontaktdaten:

Pascal Specht

Tel: 0157 – 529 629 26, Mail: pascalspecht@gmx.net

Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung!

Mit züchterischen Grüßen

A. Pommer

i.A. Des Vorstandes des VDHC e.V.                                                                   Scheibe-Alsbach, den 26.06.2022

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