Blick in die virtuelle Schau-Werkstatt der Bundesrasseschau der Highland Cattle

von Andreas Bechler

Mit einer Tasse heißen Kaffee sitze ich am Sonnabend, den 10. Oktober 2020 am Wohnzimmertisch. Viel lieber wäre ich heute „real live“ auf der geplanten Bundesrasseschau in Laasdorf mitten unter den Highland Cattle im Schauring. Danke für die Einladung als Schaurichter, nun also eine Virtual Show - auch schön!!! Nach einem kurzen Durchatmen öffne ich meinen Laptop und mache mich an die Arbeit. Ich scrolle einmal durch die gemeldeten 154 Tiere und stelle mich der Aufgabe. Schnell bin ich ganz bei den Tieren. In den ersten beiden Klassen sind 30 Tiere im Ring. Für die erste Beurteilung teile ich diesen Ringe in Gruppen von jeweils 15 Tieren. Ich platziere jeweils 6 Tiere. Diese 12 stehen dann mit ihrer Rangierung in der Endauswahl der Klasse. Jedes einzelne Bild und Tier schaue ich mir genau an. Da ich die Tiere nicht in Bewegung sehe, sind es Merkmale wie Länge und Lage des Beckens, Ausprägung der Schulter und die Übergänge zu Rücken und Körper, auf die ich achte. Ein schöner Kopf mit guter Hornstellung springt natürlich beim Highland zuallererst ins Auge. Das schöne gepflegte Haarkleid lässt in der Tiefe nur den Körper erahnen. Viele Tiere sind gut herausgebracht. Ein Tier, was sich wach und fit präsentiert, wird sich in der Regel auch gut bewegen. Fotos im Stand geben auf die Qualität des Gangwerks eines Tieres allerdings einen kleinen Hinweis. Ich freue mich, dass viele Fotos alle vier Beine der Tiere von der Seite zeigen. Ein freier Blick auf die Winkelung des Sprunggelenkes, die Stellung von Hinterhand und Vorderhand erleichtert eine Beurteilung. Aber bei aller Ernsthaftigkeit des Vorhabens hier geht es auch um den „Spaß an der Freude“ und eine gute Präsentation des Tieres und der Rasse für ein breites Publikum. Ich merke den eingesandten Bildern an: Viele hatten ihren Spaß beim Fotografieren und diese Freude springt über. Eine Virtual Show ist ja eine Möglichkeit, die besondere Qualität unserer Rinderrasse Highland Cattle in diesen schwierigen Corona-Zeiten zu präsentieren. Ich finde es gut, dass diese Chance vom Verband genutzt worden ist. Allen Mitwirkenden an der Show ein Dankschön. Erst ihre Teilnahme, Mitwirkung bei der Vorbereitung und ihr Einsatz hat eine für mich gelungene Show ermöglicht.

Besonders beeindruckt hat mich die Bundessiegerin Sila vom Jeetzetal (geb.10.4.2017, Züchter und Besitzer: Heinz Wapenhans, Klötze OT Immekath). Sie ist ein brindlefarbenes dreijähriges Jungrind mit einer sehr weiblichen Ausstrahlung und Eleganz, was ausgezeichnet im Rassetyp steht. Die weiblichen Tiere dieser Rasse sind ja die Träger der hervorragenden Mutterkuheigenschaften. Als Bundessieger habe ich den schwarzen Bullen Seamus of Allanfearn (geb.03.05.2017, Besitzer: Manuel Ottinger, Lachen, Züchter: Maureen MacArthur & John Ashton) ausgewählt, der sich ebenso elegant und kraftvoll männlich präsentiert. Zu einer guten Länge und Körpertiefe, einem rassetypischen Kopf gesellt sich eine gute Bemuskelung der Schulter, ein Modell-Fleischrind, was in freier Weidehaltung, aus Gras und Heu ein gesundes und hochwertiges Fleisch wachsen lässt. Aufgrund der guten Präsentation der Tiere auf dem Fotos bin ich mir ziemlich sicher, dass beide Tiere sich auch „real live“ perfekt bewegen.

Die Reservesiegerin Polly vom Fördewald (geb.28.03.2019, Züchter und Besitzer: Dirk Mitzkus, Flensburg Engelsby) war für mich „Liebe auf den ersten Blick“. Wenn solche Jungtiere auf der Weide stehen, ist mir um die Zukunft der Highlandcattlezucht nicht bange. Besonders beeindruckt haben mich aber auch zwei ältere Tiere der Schau. Der Reservesieger Outside vom Eiserbachtal (geb. 25.03.2010, Besitzer: Antje und Falk Pommer, Scheibe-Alsbach, Züchter: Leonie und Werner Groten, Simmerath) präsentiert sich perfekt am Berghang. Seine jugendliche kraftvolle Ausstrahlung ist einzigartig für einen Bullen seiner Altersklasse. So müssen Altbullen dieser Rasse aussehen!!!
Die älteste Kuh der Schau Assi von Adenstedt (geb. 23.04.2003, Besitzer:
Herbert Diers, Bassum) verdient für mich einen Sonderpreis. Wir brauchen den Mut mit guten funktionalen Alttieren zu züchten und an ihnen für die Zucht zu lernen. Mit 17 Jahren zeigt sie sich noch in einer hervorragenden Qualität.
Besonderer Dank gilt allen, die sich der Herausforderung der Fotografie von Kuh und Kalb gestellt haben. Aus eigener Erfahrung braucht es dazu viel Zeit ein Gespann perfekt zu fotografieren. Falk Pommer gilt dafür eine besondere Anerkennung. Die Kuh Paola vom Diebeskamm (geb.21.04.2011, Züchter und Besitzer: Antje und Falk Pommer, Scheibe-Alsbach) ist für mich die beste Kuh der Virtual Show.

Bei der Beurteilung der Tiere hatte ich viel Freude, und ich habe viele andere hochwertige Zuchttiere in den einzelnen Klassen entdeckt. Bei einer Tasse Tee habe ich dann am Nachmittag mit meiner Frau Beate über die Beurteilungsergebnisse geplaudert und große Übereinstimmung festgestellt. Es war für uns ein besonderes Highlight an diesem „Tag der Virtual-Bundesrasseschau der Highland Cattle im Wohnzimmer“. Für einen kollegialen Austausch unter Züchtern stehe ich gern zur Verfügung (Tel.: 035365 2671).